Pflegestufe 0: Was aus ihr wurde und was heute gilt

Pflegegrade sind die gesetzlich definierte Einstufung des Unterstützungs- und Pflegebedarfs im deutschen System der Pflegeversicherung. Sie werden anhand des Grades der Selbstständigkeit einer Person ermittelt und bestimmen Art sowie Umfang der Leistungen. Ein klares Verständnis der Kriterien und des Begutachtungsverfahrens ist entscheidend für die korrekte Inanspruchnahme der zustehenden Ansprüche.


Autor:
Ain Experten-Team
Intensivpflege-Team bei ain
Zuletzt bearbeitet:
February 17, 2026
Pflegestufe 0 wurde 2017 zu Pflegegrad 2: 347 € Pflegegeld, 796 € Sachleistung, 131 € Entlastungsbetrag. Prüfen Sie jetzt, was Ihnen bei Demenz zusteht.

Wer heute nach Pflegestufe 0 sucht, sucht nach etwas, das seit dem 1. Januar 2017 nicht mehr existiert. Der Begriff stand für Menschen mit Demenz oder psychischer Erkrankung, die körperlich noch weitgehend zurechtkamen, aber Betreuung brauchten. Was diese Gruppe heute erhält, hängt von der Punktzahl im Begutachtungsverfahren ab, und die fällt bei Demenz meist deutlich höher aus als früher.

Was hinter dem Begriff Pflegestufe 0 steckte

Bis Ende 2016 kannte das SGB XI drei Pflegestufen. Maßstab war der Zeitaufwand für Körperpflege, Ernährung und Mobilität in Minuten pro Tag. Wer unter der Schwelle für Pflegestufe 1 blieb, ging leer aus, selbst wenn er wegen einer Demenz rund um die Uhr beaufsichtigt werden musste.

Diese Lücke schloss der Gesetzgeber 2008 mit § 45a SGB XI in der damaligen Fassung: Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz bekamen Betreuungsleistungen, auch ohne anerkannte Pflegestufe. Das Gesetz hat die Bezeichnung Pflegestufe 0 nie benutzt; sie entstand in Beratungsstellen und Alltagssprache.

Der Medizinische Dienst prüfte dafür 13 Merkmale, darunter Weglauftendenz, das Verkennen gefährlicher Situationen, einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus oder die fehlende Fähigkeit, den eigenen Tag zu strukturieren. Wer mindestens zwei Merkmale dauerhaft erfüllte, eines davon aus den ersten neun, galt als erheblich eingeschränkt. Die Leistungen blieben schmal: ein monatlicher Betreuungsbetrag, seit 2013 ein kleines Pflegegeld, dazu Kurzzeit- und Verhinderungspflege.

Warum die Suche nach Pflegestufe 0 nicht abreißt

Drei Gründe halten den Begriff am Leben. Viele Bescheide von vor 2017 liegen noch in den Ordnern, und Angehörige, die jetzt eine Höherstufung prüfen, starten mit dem alten Vokabular. Hausärzte und ältere Ratgeber sprechen weiterhin von Stufen. Und die Frage dahinter ist bis heute dieselbe: Bekommt jemand, der geistig abbaut, aber laufen, essen und sich waschen kann, überhaupt Leistungen? Seit 2017 lautet die Antwort klar ja.

Gemeint ist fast immer eines von beidem: ein 2017 übergeleiteter Altbescheid oder ein Angehöriger mit ersten Demenzsymptomen, dessen Einstufung die Familie einschätzen will. Alle fünf Grade des heutigen Systems erklärt Pflegegrade 1 bis 5 im Vergleich.

Stichtag 1. Januar 2017: die Überleitungsregeln

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz ersetzte der Gesetzgeber die drei Stufen durch fünf Pflegegrade. § 140 SGB XI legte fest, wie bestehende Einstufungen ohne neue Begutachtung übertragen wurden; die Pflegekassen verschickten die neuen Bescheide von sich aus. Die Zuordnung folgte einer festen Regel: eine Stufe höher für alle, zwei Stufen höher für alle mit anerkannter eingeschränkter Alltagskompetenz (EA):

  • Pflegestufe 0 (nur EA): Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1: Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1 mit EA: Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2: Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 mit EA: Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3: Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 mit EA: Pflegegrad 5
  • Härtefall in Pflegestufe 3: Pflegegrad 5

Für Pflegestufe 0 war das der größte Sprung: Aus Betreuungsleistungen unterhalb jeder Stufe wurde ein Pflegegrad mit vollem Zugang zu Pflegegeld, Sachleistung und Tagespflege. Pflegegrad 1 hatte keine Vorgängerstufe.

§ 141 SGB XI sicherte zudem den Besitzstand: Die am 31. Dezember 2016 bezogenen Leistungen laufen mindestens in gleicher Höhe weiter, eine Herabstufung allein wegen des Systemwechsels war ausgeschlossen. Seither ändert sich der Pflegegrad nur, wenn eine neue Begutachtung eine Verbesserung feststellt; bei Demenz kommt das praktisch nicht vor. Den Wortlaut finden Sie bei gesetze-im-internet.de (§ 141 SGB XI).

Pflegegrad 2 statt Pflegestufe 0: die Beträge 2025 und 2026

Wer die alten Kriterien erfüllt hätte, also geistig deutlich eingeschränkt und körperlich noch weitgehend selbstständig, landet heute typischerweise bei 27 bis unter 47,5 Punkten und damit in Pflegegrad 2. Die Beträge gelten seit dem 1. Januar 2025 und bleiben 2026 unverändert; die nächste Anpassung folgt zum 1. Januar 2028 nach § 30 SGB XI.

  • Pflegegeld (§ 37 SGB XI): 347 € monatlich bei Pflege durch Angehörige
  • Pflegesachleistung (§ 36 SGB XI): 796 € monatlich für einen ambulanten Pflegedienst
  • Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI): das Pflegegeld sinkt anteilig um den genutzten Sachleistungsanteil
  • Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): 131 € monatlich für Betreuungsgruppen, Alltagsbegleiter oder Haushaltshilfe, ansparbar bis zum 30. Juni des Folgejahres
  • Tages- und Nachtpflege (§ 41 SGB XI): 721 € monatlich, zusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistung
  • Verhinderungs- und Kurzzeitpflege (§ 39, § 42, § 42a SGB XI): gemeinsamer Jahresbetrag 3.539 € seit dem 1. Juli 2025, frei aufteilbar, jeweils bis zu 8 Wochen, ohne Vorpflegezeit
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 Abs. 2 SGB XI): 42 € monatlich
  • Wohnumfeldverbesserung (§ 40 Abs. 4 SGB XI): bis 4.180 € je Maßnahme
  • Hausnotruf: 25,50 € monatlich
  • Wohngruppenzuschlag (§ 38a SGB XI): 224 € monatlich in einer Demenz-WG
  • Vollstationär (§ 43 SGB XI): 805 € monatlich plus Leistungszuschlag nach § 43c SGB XI (15 % im ersten Heimjahr, 30 % im zweiten, 50 % im dritten, 75 % ab dem vierten)

Bei Demenz trägt die Kombination aus Tagespflege und Entlastungsbetrag oft am besten, weil sie den Tag strukturiert. Einzelheiten unter Pflegegrad 2: Leistungen und Voraussetzungen.

Wenn die Punkte nur für Pflegegrad 1 reichen

Nicht jede beginnende Demenz erreicht 27 Punkte. Zwischen 12,5 und unter 27 Punkten gibt es Pflegegrad 1, ohne Pflegegeld, Sachleistung und Jahresbetrag. Was bleibt, zielt auf Betreuung und Sicherheit, ganz im Sinn der alten Pflegestufe 0:

  • Entlastungsbetrag 131 € monatlich, in Pflegegrad 1 auch für Körperpflege durch einen Pflegedienst einsetzbar
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch 42 € monatlich
  • Wohnumfeldverbesserung bis 4.180 € je Maßnahme
  • Hausnotruf 25,50 € monatlich
  • Zuschuss von 131 € monatlich bei vollstationärer Unterbringung
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI und Beratungsbesuche

Demenz schreitet fort. Halten Sie den Verlauf in einem Pflegetagebuch fest und beantragen Sie eine Höherstufung, sobald die Selbstversorgung nachlässt. Details unter Pflegegrad 1: Leistungen bei geringer Beeinträchtigung.

So bewertet der Gutachter Demenz heute: Module 2 und 3

Das Verfahren nach § 15 SGB XI misst keine Minuten mehr, sondern Selbstständigkeit in sechs Modulen. Für Demenz sind zwei davon entscheidend, dazu kommt Modul 6.

Modul 2: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Acht Kriterien, bewertet von 0 (Fähigkeit vorhanden) bis 3 (nicht vorhanden): Erkennen vertrauter Personen, örtliche und zeitliche Orientierung, Erinnern wichtiger Ereignisse, Steuern mehrschrittiger Handlungen wie Kaffeekochen, Treffen von Alltagsentscheidungen, Verstehen von Informationen, Mitteilen elementarer Bedürfnisse.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Hier zählt die Häufigkeit: nie, selten, mehrmals pro Woche oder täglich. Erfasst werden nächtliche Unruhe, Umherwandern, Abwehr von Pflegemaßnahmen, Ängste und depressive Verstimmung, Wahnvorstellungen und aggressives Verhalten. Von den Modulen 2 und 3 fließt nur das höhere Ergebnis ein, mit 15 % Gewicht. Bei fortgeschrittener Demenz übertrifft Modul 3 häufig Modul 2.

Modul 6 und das Prinzip der Anleitung

Modul 6 (Alltagsgestaltung und soziale Kontakte, 15 %) erfasst, ob jemand seinen Tag noch selbst gestalten, sich beschäftigen und Kontakte halten kann. Für Modul 4 (Selbstversorgung, 40 %) gilt ein Grundsatz, der Demenzkranke besser stellt als das Minutenverfahren: Wer sich zwar waschen könnte, es ohne Aufforderung aber nicht tut, gilt nicht als selbstständig. Beaufsichtigung und Anleitung zählen als Hilfe.

In Bayern begutachtet der Medizinische Dienst Bayern die gesetzlich Versicherten, bei Privatversicherten Medicproof. Die Begutachtungsrichtlinien veröffentlicht der Medizinische Dienst Bund. Antrag und Vorbereitung des Hausbesuchs beschreibt Pflegegrad beantragen: Ablauf, Fristen, Widerspruch.

Fallbeispiel: Werner Hofmann, 79, Alzheimer-Demenz im frühen Stadium

Herr Hofmann lebt mit seiner Frau in Nürnberg-Langwasser. Die Diagnose Alzheimer-Demenz erhielt er vor anderthalb Jahren. Er geht ohne Stock und isst selbstständig, findet aber den Rückweg vom Bäcker nicht mehr, verwechselt Wochentage und würde ohne seine Frau weder duschen noch seine Tabletten nehmen. Vor 2017 ein klassischer Fall für Pflegestufe 0. Die Gutachterin des MD Bayern bewertet beim Hausbesuch:

  • Modul 1 Mobilität: alle fünf Kriterien selbstständig, 0 gewichtete Punkte
  • Modul 2 Kognition: Orientierung, Erinnern und mehrschrittige Handlungen nur in geringem Maße vorhanden (2), Entscheidungen und Verstehen größtenteils vorhanden (1); 10 Rohpunkte, 7,5 gewichtete Punkte
  • Modul 3 Verhalten: gelegentliche nächtliche Unruhe und Ängstlichkeit; 2 Rohpunkte, 3,75 Punkte; es zählt der höhere Wert aus Modul 2
  • Modul 4 Selbstversorgung: Anleitung beim Waschen, Rasieren, Duschen, Ankleiden des Unterkörpers und Zubereiten der Mahlzeiten; 7 Rohpunkte, 10 gewichtete Punkte
  • Modul 5 Therapie: Medikamente müssen gerichtet und angereicht werden, Arztbesuche nur in Begleitung; 10 Punkte
  • Modul 6 Alltag und Kontakte: plant den Tag nicht mehr, beschäftigt sich nur mit Anstoß, hält Kontakte außer Haus nicht mehr selbst; 8 Rohpunkte, 11,25 Punkte

Gesamt: 38,75 Punkte, Pflegegrad 2. Frau Hofmann erhält 347 € Pflegegeld, bucht zweimal wöchentlich Tagespflege aus dem Budget von 721 € und setzt die 131 € Entlastungsbetrag für eine Alltagsbegleiterin ein. Wäre ihr Mann bei der Körperpflege noch völlig eigenständig (Modul 4: 0 Punkte) und bräuchte nur eine Erinnerung an die Tabletten (Modul 5: 5 Punkte), käme er auf 23,75 Punkte und damit auf Pflegegrad 1. Der Unterschied fällt fast immer in Modul 4, und dort zählt jede Anleitung.

Demenzpflege zu Hause: Unterstützung in Nürnberg

Der Pflegestützpunkt der Stadt Nürnberg berät neutral zu Einstufung, Tagespflegeplätzen und Betreuungsgruppen. AIN bietet in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach eine kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, hilft beim Antrag und bereitet den Hausbesuch mit Ihnen vor. Bei Sachleistung übernimmt unser Team die ambulante Grund- und Behandlungspflege zu Hause. Außerklinische Intensivpflege, etwa bei Beatmung, läuft dagegen über die Krankenkasse nach § 37c SGB V und ist vom Pflegegrad unabhängig.

Häufige Fragen

Kann ich heute noch Pflegestufe 0 beantragen?

Nein. Seit 2017 beantragen Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse. Bei Demenz mit beginnendem Hilfebedarf in der Körperpflege liegt das Ergebnis meist bei Pflegegrad 2, bei rein kognitiven Einschränkungen oft bei Pflegegrad 1.

Mein Vater hatte Pflegestufe 0. Welchen Pflegegrad hat er jetzt?

Pflegegrad 2, sofern die Einstufung am 31. Dezember 2016 bestand und kein späterer Bescheid etwas anderes festlegt; der Bescheid von Anfang 2017 weist den neuen Grad aus.

Wie viel Geld gibt es 2026 für die frühere Pflegestufe 0?

In Pflegegrad 2: 347 € Pflegegeld oder 796 € Sachleistung monatlich, dazu 131 € Entlastungsbetrag, 721 € für Tagespflege und 3.539 € Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.

Wurde jemand bei der Umstellung 2017 herabgestuft?

Nein. § 141 SGB XI schützt den Besitzstand. Alle Betroffenen kamen mindestens eine Stufe höher, Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz zwei Stufen.

Zählt Demenz ohne körperliche Einschränkung heute überhaupt?

Ja. Die Module 2, 3 und 6 wiegen zusammen 30 %, und in Modul 4 gilt Anleitung als Hilfe. Mittelschwere Demenz erreicht deshalb regelmäßig Pflegegrad 2 oder 3.

Was tun, wenn der Bescheid nur Pflegegrad 1 ausweist?

Innerhalb eines Monats nach Zugang formlos Widerspruch einlegen, Begründung nachreichbar. Fordern Sie das Gutachten an und prüfen Sie, ob Anleitung und Beaufsichtigung in Modul 4 erfasst wurden. Bei fortschreitender Demenz kann ein späterer Höherstufungsantrag der bessere Weg sein.